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Appellation Controllé als Basis der französischen Qualitätseinstufung

Newsletter 4 vom 19. Oktober 2002

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Frankreich schuf sich mit der 1935 eingeführten Klassifikation der „appellation d'origine controllé“ (AOC) ein System, das in der damaligen Zeit ein großer Fortschritt hinsichtlich einer relativ genauen Qualitätsbestimmung war. In den Bestimmungen spiegelte sich der französische Glaubensgrundsatz, dass die Qualität des Weines sich auf den Ort gründet, an dem die Reben wachsen. „Der Wein wird im Weinberg gemacht.“

Dahinter steht das Konzept des „Terroirs“, definiert als das Zusammenspiel von Landschaft, Groß- und Kleinklima und Boden, das einen Weinberg kennzeichnet. Darunter versteht man mehr, als dass das Klima entweder grob gesprochen kühl oder heiß ist, oder ob der Rebstock auf Kalk oder Schiefer wächst. In Wirklichkeit ist damit gemeint: die Tages- und Nachttemperaturen, die jährliche Verteilung der Niederschläge, die Sonnenscheindauer, die Tiefgründigkeit des Bodens, den pH-Wert, die Hangneigung, das Wasserrückhaltevermögen des Bodens, die Meereshöhe, die Nähe zu Gebirgen, Flüssen, Wäldern, Seen und zum Meer. All dies beeinflusst den Wein und macht ihn unverwechselbar gegenüber den anderen.
Durch die Einführung des AOC-Systems sollte sichergestellt werden, dass ein Wein aus einem bestimmten Gebiet kommt, das seinen typischen Charakter und seine Qualität bestimmt. Dabei werden für jede Appellation die Rebsorten festgeschrieben, die verwendet werden dürfen. Da sie für den Charakter des Weins nach französischem Glauben jedoch nicht so entscheidend sind wie das Terroir, erscheinen sie in aller Regel nicht auf dem Etikett.

Diese Philosophie steht im Gegensatz zu der anderen existierenden Denkrichtung, dass der Wein vor allem im Keller vom Winzer gemacht wird. Dies drückt sich auch in der vor allem in Übersee gebräuchlichen Bezeichnung „winemaker“ für Winzer aus. Darin steckt, dass der Wein nicht im Weinberg wächst, wie der Franzose meint, sondern gemacht wird.

Das französische AOC-System war zur Zeit seiner Einführung sicherlich ein enormer Fortschritt, denn es schützte vor dem Missbrauch eingeführter Namen und es garantierte die Herkunft des Weines. Inzwischen zeigen sich jedoch auch die Schattenseiten dieses Systems.
Der hauptsächliche Nachteil liegt darin, dass es Strukturen festschrieb und durch seine Festlegung auf bestimmte erlaubte Rebsorten in jedem AOC-Bereich, Veränderungen verhindert. So lässt es einem experimentierfreudigen Winzer keinen Raum es mit anderen Rebsorten zu versuchen, denn es zwingt ihn dazu diesen Wein als einfach klassifizierten Wein in den handel zu bringen, ungeachtet seiner Qualität.

Ein Beispiel dafür ist der von mir seit kurzem angebotene Vin de Pays de Vaucluse von der Domaine Grand Jacquet. Neben den an der Rhone erlaubten Grenache und Syrah mischt Noel Jacquet diesem Wein auch 40% Cabernet Sauvignon bei. Das ergibt einen Wein, der zwar nicht gerade rhonetypisch ist, aber durch die Edelrebe Cabernet Sauvignon stark an Ausdruck gewinnt. Ein Wein mit Fülle und Struktur, der weit mehr erfüllt als die Erwartungen an einen mit Vin de Pays klassifizierten Tropfen.

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