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Geplante und vollzogene Änderungen im Appellationssystem Frankreichs

Newsletter 12 vom 15. April 2006

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In diesem Newsletter möchte ich Ihnen einige interessante neue Informationen über vollzogene und geplante Änderungen in den Klassifikationen der Weinwelt Frankreichs mitteilen.

Es ist unbestritten, dass die Etablierung der Appellations d'Origine (AOC) als Klassifizierung der Weine Frankreichs durch die damit einhergehenden Qualitätsanforderungen ein Gewinn sowohl für die Qualität dieser Weine als auch eine Hilfe für die Verbraucher war. Genauso unbestritten ist aber auch, dass eine Einordnung als AOC-Wein heute nicht mehr in jedem Fall ein Garant für diese angestrebte Qualität ist. In Frankreich wird in informierten Kreisen davon gesprochen, dass gegenwärtig etwa 20% der aktuellen AOC-Weine nicht einmal dem einfachen AOC-Standard entsprechen.

Im „Institut National des Appellations d'Origine“ wurde deshalb eine Reform angedacht. Sie sieht vor, die AOC-Bestimmungen einerseits flexibler zu gestalten, was nicht unbedingt eine Qualitätssteigerung zwingend nach sich ziehen würde. Andererseits sieht die Reform jedoch auch vor, eine neue, mit strengeren Vorgaben ausgestattete Kategorie „AOC-d'Excellence“ zu schaffen. Diese Zweiteilung der AOC-Weine hätte als Konsequenz sicherlich, dass die Weine der AOC d'Excellence im Ansehen steigen würden. Es ist aber auch anzunehmen, dass die dann einfachen AOC-Weine einerseits einen klaren Statusverlust erleiden würden und andererseits wären Auswirkungen auf das Ansehen der Weine mit der Klassifikation „Vin de Pays“ wohl unvermeidlich, die Grenzen zwischen den beiden letzten Einteilungen würden wohl fließend werden.

Wie in Frankreich nicht anders zu erwarten, stieß dieser Plan auf erhebliche Widerstände (darunter auch die Anbaugebiete Bordeaux und Burgund), und inzwischen liegt ein Alternativplan auf dem Tisch. Eine neue Vereinigung mit Namen „Sève, les amis de Joseph Capus“ hat sich der Rettung des von Senator Joseph Capus „erfundenen“ AOC-Systems verschrieben. Dieser Vorschlag sieht vor, das AOC-System mit Hilfe einer strikteren Qualitätsorientierung (Mengenbegrenzungen, Pflanzdichten, erlaubte Technologien und chemische Hilfsmittel) wieder auf mehr Qualität auszurichten. Meiner Meinung nach ist dieser Vorstoß sicherlich löblich, geht aber nicht an die Wurzel allen Übels, nämlich der Art, wie die Weine in der Regel zu ihrer Einstufung als AOC-Weine kommen. überprüft werden sie nämlich von den Winzern der jeweiligen Region und hier liegt es vorrangig im Interesse jeden Winzers, dass seine eigenen Weine gut beurteilt werden. Sollte sich einer im Kreise seiner Kollegen als zu kritisch erweisen, so riskiert er aber negative Auswirkungen auf seine Weine. Es bleibt zu hoffen, dass sich schlussendlich eine Reform durchsetzt, die positive Auswirkungen auf die Weine Frankreichs hat.

Die zweite Neuigkeit betrifft die Qualitätspyramide der Weine der südlichen Rhone. Die beiden höchsten Einstufungen umfassten hier bisher die fünf sogenannten „Crus“ an der Spitze (Chateauneuf du Pape, Gigondas, Vacqueyras, Lirac und Tavel) und darunter die sechzehn Villages-Appellationen, die das Recht hatten ihre Weine mit dem Namen des Anbaugebiets und dem Zusatz Cotes du Rhone Villages auf den Markt zu bringen.

Es wurde schon seit Jahren davon gesprochen, dass einige Dörfer aus dem Kreis der Villages auf dem Sprung in die elitäre Klasse der „Crus“ wären, und als aussichtsreichste Kandidaten galten hier Cairanne, Sablet und Rasteau. Geschafft haben es jetzt aber zur nicht gelinden Überraschung zwei ganz andere Dörfer, nämlich Vinsobres und Beaumes-de-Venise. Die Erzeuger dieser Anbaugebiete müssen jetzt strengere Ertragsbegrenzungen und eine Beschränkung ihrer Gebiete hinnehmen.

Dieser Aufstieg der zwei Dörfer an die Spitze der Appellation war jedoch nicht die einzige Veränderung an der südlichen Rhone. Die Zahl der Villages-Anbaugebiete wurde um einige Neuankömmlinge erweitert, wobei jeweils mehrere Dörfer unter einem Namen zusammengefasst wurden. Neu auf der zweithöchsten der vier Stufen der südlichen Rhone sind Massif d'Uchaux, Plan de Dieu, Puymeras und Signargues.

Damit erhöht sich die Zahl der Villages-Appellationen auf 18 (die vier neuen und Cairanne, Rasteau, Sablet, Roaix, Rochegude, St. Pantaléon les Vignes, Rousset les Vignes, Séguret, Valréas, St.-Maurice, Visan, Chusclan, St.-Gervais und Laudun), die Anzahl der Crus steigt auf sieben. Auffällig ist, dass drei der vier neuen Villages-Anbaugebiete auf dem linken Rhoneufer liegen, was bedeutet, dass sich dort insgesamt 14 befinden und nur vier auf dem rechten Ufer. Auch bei den Crus dominiert mit fünf das linke Ufer.

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