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Der Preis eines Weines II

Newsletter 10 vom 9. März 2005

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Ich möchte in diesem Newsletter die in meinem letzten - schon etwas weiter zurückliegenden - Newsletter begonnenen Gedanken/Informationen über die Entstehung von Weinpreisen fortsetzen. Hierzu fand ich im „Neuen Weinatlas“ von Hugh Johnson (Ausgabe 1994) eine interessante Zusammenstellung, die ich gerne an Sie weitergebe.

Kosten, die bei der Produktion von Wein entstehen:

  Große Weine
ca 27 hl/ha
gute Weine
ca 45 hl/ha
einfache Weine
ca 63 hl/ha
Weinbaukosten 440 € 170 € 70 €
Lagerungskosten 70 € 45 € 2 €
Mengeneinbuße 85 € 34 € 5 €
Lohnkosten 25 € 25 € 1 €
Kosten pro hl 620 € 274 € 78 €

Diese Zahlen können natürlich nicht absolut gesehen werden, sie werden von Hersteller zu Hersteller variieren, sie zeigen aber ganz deutlich die Tendenz, in die sich die Preise der einzelnen Weine je nach Aufwand, der bei der Produktion betrieben wird, entwickeln können.

Nicht immer ist der Preis ein Indikator für die Qualität des Weines, doch in den meisten Fällen sagt er schon etwas darüber aus. Was Sie für einen bestimmten Preis erwarten können sagt die folgende Zusammenstellung aus:

Weine bis 3 €

Die Lage des Weinbergs und das Alter der Reben tragen in keiner Weise zur Qualität des Weines bei. Die Ertragskraft des Weinstocks wird voll ausgeschöpft, es werden keinerlei qualitätssteigernde Maßnahmen durchgeführt.

Weine um 5 €

Erste Ertragsbeschränkungen werden in die Wege geleitet, wodurch die Qualität sich bessert. Bei der Auswahl des Lesegutes wird in einem groben Verfahren auf Reife geachtet. Es sind in der Regel keine groben störenden Geschmackseindrücke mehr vorhanden.

Weine von 6 - 8 €

Die Ertragsbeschränkungen fallen schon ins Gewicht. Es erfolgt eine erste, jedoch noch nicht sehr sorgfältige Auswahl des Lesegutes auf Reife und Gesundheit. Die Lage des Weinbergs trägt zur Qualität schon spürbar bei (Bodenbeschaffenheit, Sonneneinstrahlung). Beim Ausbau des Weines wird ein erster spürbarer Aufwand getrieben.

Weine von 9 - 12 €

Ausgeprägte Ertragsbeschränkungen. Der Weinberg bietet beste Voraussetzungen für ein breites Geschmacksvolumen und ausgereiftes Lesegut, bei der Lese wird auch auf bestes Ausgangsmaterial geachtet, der Aufwand dazu hält sich jedoch noch in Grenzen. Beim Ausbau werden in der Regel eine große Anzahl an qualitätssteigernden Maßnahmen beachtet und in vertretbarem Umfang auch durchgeführt.

Weine ab 15 € aufwärts

Der Wein wächst auf den besten Lagen des jeweiligen Anbaugebiets, was jedoch ein noch breites Spektrum umfassen kann. Die für den Anbau von Wein besonders geeigneten Lagen z. B. im Medoc können eben nicht überall angefunden werden. Bei der Lese ist der Aufwand, mit dem das Lesegut sortiert wird sehr hoch bis immens, was ausgeprägte Handarbeit und geschultes Personal voraussetzt. Beim Ausbau finden kapitalintensive Verfahren Anwendung. Die Ertragsbeschränkung ist bis auf ein vertretbar niedriges Maß herabgesetzt.
Alle Unterschiede in diesem Preissegment, die nach oben bis in den drei- und vierstelligen Bereich vorstoßen können, sind einerseits auf diesen enormen Aufwand bei der Pflege des Weins zurückzuführen, und sind andererseits dem Namen des Weins, seinem Ansehen in der Weinwelt, seiner Knappheit, dem Geschick bei der Vermarktung und allen anderen Faktoren, nach denen der Preis eines Wirtschaftsgutes sich bemessen kann, geschuldet.

Sehr gut zu beobachten sind diese jeweiligen Preisbereiche bei den Weinen, die von jeweils einem Weingut produziert werden. Bei der Domaine de Verquière aus Sablet erklären sich die Preisunterschiede erstens aus den jeweiligen Lagen/Dörfern und zweitens natürlich aus dem Aufwand beim Ausbau. Für den Winzer lohnt sich dieser größere Aufwand eben deswegen, weil er für den Wein aus der besseren Lage einen höheren Preis erzielen kann.
Bei der Domaine Grand Jacquet aus Mazan liegt der Fall ein wenig anders, die jeweiligen Preisunterschiede resultieren im wesentlichen aus Unterschieden beim Ausbau. Interessant bei dieser Domäne ist, dass der unterschiedliche Aufwand auch zu einer ungünstigeren Einstufung bei der Lage führen kann, da einige Weine als Vin de Pays eingestuft werden, obwohl der Ausbau sehr intensiv durchgeführt wurde.

Es würde mich freuen, wenn ich Ihnen mit meinen Gedanken etwas helfen konnte, Weine in ihrem Verhältnis zum Preis besser einschätzen zu können.

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